Diese einfache Rundwanderung im Lorzentobel zählt für mich zu den schönsten Touren der Region. Auf kurzer Distanz wechseln sich Flusslandschaft, die Höllgrotten, der versteckte Schwarzenbach-Wasserfall und die geschichtsträchtige Wildenburg ab – ergänzt durch den Schlaufensteg als überraschenden Abschluss hoch in den Baumwipfeln. Was auf der Karte kompakt wirkt, entfaltet unterwegs eine erstaunliche Vielfalt und wird durch den Besuch der Höhlen oder einem Zwischenstopp an einer der zahlreichen Grillstellen schnell zu einem ganzen Tag draussen.
Anreise und Start entlang der Lorze
Der Einstieg liegt unscheinbar am Rand von Baar. Noch sind Strassen und Häuser nah, doch das ändert sich schnell. Mit wenigen Schritten tauchen wir ins Lorzentobel ein, und sofort übernimmt die Natur. Die Lorze begleitet uns von Anfang an. Ihr gleichmässiges Rauschen legt sich wie ein Teppich unter alles andere. Es ist einer dieser Wege, die kaum Zeit brauchen, um den Kopf freizumachen. Es ist Samstag. Das merkt man. Familien, Spaziergänger, Jogger – viele sind unterwegs. Trotzdem wirkt es nicht überlaufen, eher lebendig. Ein beliebtes Naherholungsgebiet, das man sich teilt.
Rauch steigt bereits in dünnen Schleiern zwischen den Bäumen auf und verrät, dass die beliebten Feuerstellen direkt am Flussufer, wo stets auch vorbereitetes Holz liegt, längst besetzt sind. Vor allem mit Kindern sollte man einen Zwischenstopp an einer Feuerstelle einplanen, von denen es unzählige entlang der Wanderung hat.
Restaurant und Höllgrotten – ein belebter Treffpunkt im Tobel
Noch bevor wir die Höllgrotten erreichen, taucht das Restaurant Höllgrotten am Wegrand auf und wirkt mit seiner offenen, einladenden Art fast wie ein kleiner Sammelpunkt im sonst eher stillen Tobel. Die Terrasse der Jugendstilvilla ist gut gefüllt, Stimmen vermischen sich mit dem Rauschen der Lorze, Geschirr klappert, irgendwo lacht jemand laut auf. Viele nutzen den Ort für eine Pause – sei es nach einem Spaziergang oder als Zwischenstopp auf der Wanderung.
Ein paar Schritte weiter verändert sich die Stimmung. Der Weg führt hinüber zu den Höllgrotten, die etwas versteckt im Wald liegen. Feuchte Luft zieht zwischen den Felsen hindurch, Moos überzieht die Steine, und plötzlich wirkt alles kühler, gedämpfter. Die Grotten selbst sind über Jahre hinweg entstanden, mit Tropfsteinen, die in unterschiedlichen Farben schimmern. Gerade an warmen Tagen muss es im Inneren fast unwirklich wirken – ein Kontrast zur Umgebung draussen, der sofort spürbar ist. An diesem Samstag ist der Andrang gross. Menschen stehen an, warten auf den Einlass, Kinder schauen neugierig in Richtung Eingang. Wir bleiben nur kurz, beobachten das Geschehen und ziehen weiter. Wir kennen die Höhlen bereits von einem früheren Besuch und kommen lieber im Sommer hier vorbei, wenn es draussen heisser wird und die Höhle Abkühlung bietet.
Holzbrücke, Kraftwerk und Betonbrücke – Eingriffe in die Lorze
Direkt nach den Höllgrotten führt der Weg zuerst über die Höllgrottenbrücke, eine schmale Holzbrücke, die leicht über die Lorze gespannt ist. Das Wasser rauscht darunter hindurch, und für einen Moment steht man zwischen beiden Ufern, mitten im Flussraum.
Unmittelbar danach verändert sich die Szenerie erneut. Am Ufer steht das kleine Kraftwerk Höllgrotten, ein historisch bedeutender Eingriff in die Nutzung der Lorze. Es entstand im Zuge der frühen Elektrifizierung der Region und nutzte die konstante Wasserkraft des Flusses, um Energie für die Umgebung zu gewinnen. Auch wenn es heute technisch modernisiert wurde, spürt man noch den Ursprung dieser frühen Industrialisierung: die klare Ausrichtung auf Nutzung statt Inszenierung, eingebettet direkt in die Landschaft.
Nur wenige Schritte weiter folgt die Lorzentobelbrücke. Die massive Betonbrücke spannt sich hoch über das Tal und wirkt im Vergleich zur filigranen Holzbrücke fast einschneidend. Während unten der Fluss ruhig weiterfliesst und das kleine Kraftwerk arbeitet, rollt oben der Verkehr über das Tobel hinweg. Dieser abrupte Wechsel zwischen Natur, Energiegewinnung und Infrastruktur prägt sich ein und bleibt im Gedächtnis.
Hinter der Betonbrücke geht es noch ein Stück weiter entlang des Uferwegs, bevor wir die Lorze queren und auf der anderen Seite zurücklaufen. Sofort wechselt der Weg von einem breiten Kiesweg zu einem schmalen Wanderweg über Stock und Stein – genau so, wie wir es gerne mögen. Der Weg wird deutlich anspruchsvoller, aber nie ausgesetzt oder technisch schwierig. Nun heisst es Höhenmeter absolvieren, da wir die nächsten Kilometer oberhalb der Lorze verbringen werden. Wir passieren einen Bauernhof mit zahlreichen Verbotsschildern und Zäunen und müssen uns hier durch ein Gatter zwängen, um auf den Wanderweg zu gelangen.
Die Wildenburg – Geschichte über dem Tobel
Ganz so lebensgefährlich kommt uns der Weg gar nicht vor, aber spannend ist er allemal. Als erstes erreichen wir einen Abzweiger zur Burgruine Wildenburg, die dann nach wenigen Minuten vor uns liegt. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde einst von den Herren von Hünenberg errichtet, strategisch über dem Tobel gelegen, mit Blick auf die wichtige Verbindung zwischen Tal und Höhe.
Heute ist sie frei zugänglich. Reste von Mauern, ein Rundturm, offene Flächen. Und natürlich eine (besetzte) Grillstelle in der Mitte. Davon hat es auf dieser Wanderung ja unzählige!
Schwarzenbach Wasserfall
Kurz nach der Wildenburg führt der Weg über mehrere Treppenstufen steil bergab. Der breite Rücken der Burg liegt bald hinter uns, und der Pfad zieht sich wieder enger durch den Wald nach unten. Dann, fast überraschend, taucht der Schwarzenbach-Wasserfall auf. Kein grosser, lauter Wasserfall, sondern eher ein versteckter, feiner Fall im Tobel – eingebettet zwischen Felsen, Moos und schattigem Wald. Das Wasser stürzt in einem schmalen Strahl über die Stufen, sammelt sich unten in einer kleinen, dunklen Mulde und verschwindet gleich wieder im Bachlauf.
Es ist ein Ort, der nicht angekündigt wird. Man steht plötzlich davor, bleibt automatisch stehen, hört dem Wasser zu und nimmt diesen kurzen Moment der Kühle mit, bevor der Weg wieder weiter bergab führt.
Die Mutigen laufen auf einem Weg entlang, der hinter dem Wasserfall entlanggeht, aber das ist eine sehr rutschige und schmale Angelegenheit. Gerüchteweise soll sich gelegentlich eine Nixe hier räkeln (Details in diesem Artikel) – falls du das nachstellen möchtest, wäre das hier das perfekte Fotomotiv!
Der Wanderweg führt nach dem Wasserfall weiter im Wald mal bergauf, mal bergab. Wir erreichen die Waldgrenze und plötzlich öffnet sich ein wunderbares Panorama auf den Zugersee. Es geht kurz am Waldrand entlang, über eine vielbefahrene Strasse, bevor wir wieder in Richtung Lorze abbiegen, um zum letzten Highlight der Tour zu laufen.
Der Schlaufensteg – ein moderner Eingriff in den Wald
Am Ende taucht er plötzlich auf: der Schlaufensteg. Ein Bauwerk aus Holz, das sich in weiten Schleifen durch den Wald nach oben zieht. Er verbindet verschiedene Bereiche des Waldes auf eine völlig andere Art. Statt einfach nur einen Hang zu überwinden, entwickelt sich der Weg in sanften Schlaufen durch die Baumkronen.
Die Idee dahinter wurde über Jahre diskutiert und geplant, bevor der Steg schliesslich umgesetzt wurde. Heute fügt er sich erstaunlich selbstverständlich in die Landschaft ein, getragen von zahlreichen Holzstützen, die sich zwischen die Bäume stellen. An beiden Ende der Anlage belangt man über eine Holztreppe in die Höhe. Schritt für Schritt gewinnt man Höhe. Der Waldboden entfernt sich, und neue Perspektiven öffnen sich zwischen den Stämmen. Es ist kein klassischer Aussichtspunkt. Eher ein Wechsel der Ebene, bei dem der Wald plötzlich aus einer anderen Höhe erlebt wird.
Vor allem Fotografen werden hier begeistert sein, da es unzählige Fotomotive gibt. Für Kinder gibt es am Ende noch ein weiteres Highlight – eine riesige Kügelibahn, mit welcher sie Kugeln in die Luft heben können, bevor diese in zahlreichen Kehren bergab rollen. Unser jüngster Sohn hätte hier grosse Freude gehabt und wir wohl mindestens eine halbe Stunde eine Pause einlegen müssen. Vom Ende der Treppenanlage ist es nicht mehr weit, bis wir den Ausgangspunkt der Wanderung erreicht haben. Und wer noch weitere Wanderausrüstung benötigt, wird hier fündig, da wir direkt an einem riesigen Decathlon vorbeilaufen.
ECKDATEN
| Dauer | 3:30 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 291m↘ 291m |
| Länge | 11.5 km |
| Schwierigkeit | Mittel, T2 |
| Lage | Kanton Zug |
| Genaue Route | Baar – Höllgrotten – Wildenburg – Schwarzenbach Wasserfall – Schlaufensteg – Baar |
| Tour durchgeführt im | April 2026 |
| Geeignet für Kinder | Für jedes Alter geeignet. Mit jüngeren Kindern einen Teilabschnitt einplanen. Kinder werden von den zahlreichen Grillstellen begeistert sein. |
| Buchempfehlung | Wanderführer: Vierwaldstättersee und Umgebung |
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