Die Wanderung vom Albulapass zur Es-cha-Hütte ist kurz, aber landschaftlich erstaunlich vielseitig. Auf knapp 350 Höhenmetern geht es über weite Alpweiden zur Fuorcla Gualdauna und anschliessend unterhalb des Piz Kesch zur auf 2594 Metern gelegenen Chamanna d’Es-cha. Vor allem das Panorama über das Engadin und hinüber zur Berninagruppe macht den eher kurzen Hüttenweg zu einer Tour, bei der ich immer wieder stehen bleibe und einfach nur schaue.

Start am Albulapass

Der Ausgangspunkt liegt etwas unterhalb der eigentlichen Passhöhe. Am Parkplatz Punt Granda an der Albulapassstrasse beginnt der Hüttenweg auf rund 2250 Metern über Meer. Die Anreise ist damit ausgesprochen unkompliziert: Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann hier parken. Im Sommer ist der Ausgangspunkt zudem mit dem Bus Alpin erreichbar. Die Es-cha-Hütte weist den Parkplatz Punt Granda ausdrücklich als Ausgangspunkt für den Hüttenaufstieg aus.

Schon beim Aussteigen aus dem Auto fühlt sich die Landschaft anders an als im Tal. Hier oben gibt es kaum noch etwas, das den Blick verstellt. Die Passstrasse zieht sich durch eine karge, offene Berglandschaft, dazwischen liegen grüne Alpflächen und immer wieder graue Felsbänder. Im Hintergrund ragen die Gipfel des Albula-Gebiets auf.

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Über die Alpweiden zur Fuorcla Gualdauna

Der Anstieg ist gleichmässig und technisch einfach. Der SAC stuft den Hüttenweg als Bergwanderung T2 ein und gibt für den Aufstieg rund eineinhalb Stunden sowie etwa 390 Höhenmeter an.

Ich mag solche Wege, bei denen man nicht ständig auf den nächsten Schritt achten muss. Hier bleibt genügend Zeit, die Umgebung aufzunehmen. Mit zunehmender Höhe wird die Aussicht immer umfassender. Hinter mir liegt der Albulapass, während sich vor mir die ersten Einblicke in die Bergwelt rund um das Val d’Es-cha zeigen.

Der Weg steigt über die grünen Hänge stetig weiter an. Gerade weil der Anstieg keine schwierigen Stellen enthält, wirkt die Landschaft umso eindrücklicher. Die Farben wechseln zwischen dem satten Grün der Alpweiden, dem Grau des Felses und dem Blau des Himmels. Je nach Jahreszeit liegen in den Mulden noch einzelne Schneefelder.

Nach und nach wird auch der Piz Kesch zum prägenden Berg der Wanderung. Der 3418 Meter hohe Gipfel gehört zu den markantesten Bergen dieser Gegend und begleitet den weiteren Weg zur Hütte. Die Es-cha-Hütte liegt auf der Engadiner Seite des Piz Kesch und ist entsprechend ein idealer Ausgangspunkt für Touren in dessen Umgebung.

Der steilste Teil des Anstiegs führt hinauf zur Fuorcla Gualdauna. Der Name klingt nach einem grossen Übergang, tatsächlich handelt es sich aber eher um eine kleine Geländestufe auf dem Weg zur Hütte. Auf rund 2487 Metern ist der Hauptanstieg geschafft.

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Unterhalb des Piz Kesch

Auf der anderen Seite verändert sich der Charakter des Weges. Statt weiter steil nach oben zu führen, quert der Wanderweg nun mehr oder weniger horizontal durch die oberste Val d’Es-cha. Genau hier beginnt für mich der schönste Teil der Wanderung.

Die Landschaft wirkt plötzlich weit und fast ein wenig verlassen. Der Blick reicht über die Bergwelt des Engadins, während sich die mächtigen Gipfel rund um den Piz Kesch über dem Tal aufbauen. Der Weg ist weiterhin gut begehbar, gleichzeitig fühlt man sich nun deutlich stärker in der alpinen Landschaft angekommen.

An einigen Stellen führt der Weg durch felsigeres Gelände. Trotzdem bleibt die Route technisch einfach. Der SAC beschreibt den Abschnitt von der Fuorcla Gualdauna zur Hütte als zunächst waagerechte Querung in die oberste Val d’Es-cha, bevor der Weg wieder allmählich ansteigt und durch eine Geröllmulde zur Hütte führt.

Während des Wanderns lohnt es sich, immer wieder zurückzublicken. Die Fuorcla Gualdauna liegt hinter einem, und mit jedem Schritt wird der Albulapass kleiner. Unten wirkt die Passstrasse irgendwann nur noch wie eine schmale Linie in der Landschaft.

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Die letzten Meter zur Es-cha-Hütte

Der Weg führt schliesslich in eine Geröllmulde. Noch einmal zieht er etwas an, bevor die Chamanna d’Es-cha vor einem auftaucht. Die Hütte liegt auf einer Rippe auf 2594 Metern über Meer und besitzt dadurch eine ausgesprochen schöne Aussichtslage.

Nach dem eher ruhigen Anstieg wirkt die Hütte wie ein natürlicher Abschluss der Wanderung. Man hat das Gefühl, nicht einfach nur ein Gebäude erreicht zu haben, sondern einen Aussichtspunkt mitten in der Bergwelt.

Die Chamanna d’Es-cha ist eine SAC-Hütte der Sektion Bernina. Sie wurde in den vergangenen Jahren erneuert und ist heute deutlich komfortabler, als man es von einer klassischen Berghütte vielleicht erwarten würde. Besonders schön finde ich aber, dass trotz der Modernisierung der Charakter der Hütte erhalten bleibt. Eine Besonderheit ist die Stukkaturdecke in der gemütlichen Gaststube.

Draussen ist der Platz vor der Hütte ohnehin der eigentliche Höhepunkt. Der Blick geht über das Engadin, und am Horizont erscheint die Berninagruppe. Piz Palü, Piz Bernina und die weiteren Gipfel wirken aus dieser Perspektive besonders eindrücklich. Die Hütte selbst beschreibt ihre Lage als aussichtsreich auf einer Rippe über dem Engadin. Am heutigen Abend können wir sogar den Biancograt sehen!

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Zeit für eine Pause

Nach dem Aufstieg ist eine Pause fast selbstverständlich. Ich setze mich gerne etwas abseits hin und lasse die Landschaft auf mich wirken. Es ist eine dieser Situationen, in denen man eigentlich gar nicht viel machen muss. Der Weg war nicht besonders lang, die Höhenmeter waren überschaubar – und trotzdem fühlt sich die Ankunft wie ein richtiges Bergziel an.

Vielleicht liegt es daran, dass man sich auf dieser Höhe bereits mitten in einer hochalpinen Landschaft befindet. Es braucht hier keinen langen Zustieg, um dieses Gefühl zu bekommen.

Rund um die Hütte ist auch immer wieder Bewegung. Wanderer kommen vom Albulapass herauf, andere sind auf längeren Etappen unterwegs. Die
Chamanna d’Es-cha ist unter anderem eine Etappe des Kesch-Treks und liegt an der Haute Route Graubünden. Gleichzeitig dient sie als Ausgangspunkt für weitere Wanderungen und Bergtouren rund um den Piz Kesch.

Gerade diese Mischung gefällt mir. Man kann die Hütte als kleines Tagesziel besuchen oder sie als Ausgangspunkt für eine grössere Unternehmung nutzen.

Mittlerweile habe ich die Hütte weitere Male besucht, sei es bei einer winterlichen Schneeschuhtour oder bei unserer Mehrtageswanderung entlang des Bernina-Treks

ECKDATEN

Dauer1:30 Stunden
Höhenunterschied↗ 350m
Länge4 km
SchwierigkeitLeicht, T2
LageKanton Graubünden
Genaue RouteParkplatz am Punt Granda an der Albulastrasse – Es-Cha-Hütte
Tour durchgeführt imJuli 2014
Geeignet für KinderAb ca. 5 Jahren. Der Weg ist nie schwierig und immer breit genug, so dass er auch von kleineren Kindern gut zu meistern ist.
Geeignet für KinderwagenNein
Geeignet für HundeJa
Buchempfehlung für weitere kinderfreundliche Hüttenwanderungen in der SchweizErlebnisreiche SAC-Hütten: Bergabenteuer für Familien
Text & FotografieSilvie · Off the TrailVollständig in dieser neuen Website eingebunden.